Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Lichtenstein - An(ge)dacht
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An(ge)dacht

„Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“   (Psalm 139,14)

Was fasziniert mich so an diesem Vers? Ist es der Beginn „Ich danke dir...“, der so ganz meiner momentanen Gemütslage entspricht? Oder die Zustimmung zum Wunderwerk des von Gott Geschaffenen, die durch Sonnenschein und blauen Himmel noch verstärkt wird? Oder der Zuspruch „du bist richtig so wie du bist, denn du bist Gottes Geschöpf!“? Dieser Teil des Psalms ist zwar einerseits ein Dank an Gott für das Wunderbare im Leben, andererseits aber auch eine direkte Ansprache an mich. Oder möchte ich das nur herauslesen? Möchte ich mir, in der oft gar nicht „so schönen neuen Welt“, selber zusprechen, dass es einen Schöpfer gibt, der dem Treiben der Menschen nicht freien Lauf lässt, sondern eigentlich die Sache in der Hand hält? Es erscheint wie ein Kartenspielertrick: Ich selber bestätige dem Schöpfer, dass ich ihn als den Ursprung meines Lebens akzeptiere, dass ich glaube, dass er die ganze Welt wunderbar gemacht hat, obgleich ich mir angesichts von Chaos im Weltgeschehen, Umweltzerstörung, Not und Armut nicht immer darüber so sicher bin und auch meine Zweifel daran habe. Ich spreche daher deutlich die Zuversicht aus, dass Gottes Werke immer wunderbar sind in der Hoffnung, dass dies auch wahrhaftig so ist, denn gesagt ist gesagt! In diesem Vers schwingt mein eigener großer Wunsch mit, nach Gewissheit in einer ungewissen, verwirrenden Welt, die immer bedrohlicher scheint hinter einer Bilderbuchfassade. Es ist dieser große Wunsch und die Hoffnung, dass mich Gottes Allmacht dann auch über so manche schwierige Lebensklippe tragen wird, denn je weiter die Zukunft in der unsicheren Ferne entschwindet, desto näher kommen die persönlichen Einschläge. Ich sehe, Freunde werden gebrechlicher, kränker und unbeweglicher. Sicher denken sie ebenso über mich und mein Umfeld. Hochfliegende Pläne können nicht mehr zu Ende, stattdessen nur noch auf den Weg gebracht werden, Ehepartner, Kinder und Enkel nicht mehr so lange begleitet werden wie inständig gewünscht. Dass Gott die Welt wunderbar geschaffen hat, das will ich wohl glauben. Doch Glauben ist nicht Wissen, so habe ich es in meiner Jugend gelernt. Das erkennt zwar mein Verstand, doch danken und preisen will meine Seele. Meine Seele, das bin ich. Ganz und gar, mit Haut und Haar, mit Geist und Gefühl. Wenn Luther die Stelle mit „erkennen“ übersetzt, dann meint er vollständig. Ich spüre Wärme und große Nähe, und ich bin mir jetzt ganz sicher: darum fasziniert mich dieser Monatsspruch für den August.

Dietlinde Kunad, Bad Reichenhall