Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Lichtenstein - Auf ein Wort - der BLOG
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Gedanken und Anstöße von Mignon Junghänel © Alle Rechte vorbehalten

 

Sternenhimmel

Ich liebe es, in den Sternenhimmel zu schauen, ihr auch? Als wir vor Jahren in unser Haus zogen, ließ mein Mann in unserem Schlafzimmer ein großes Dachfester einbauen. Wenn ich mich also abends ins Bett lege und das Rollo hochschiebe, kann ich beim Einschlafen die Sterne betrachten. Habt ihr mal versucht sie zu zählen? Das ist unmöglich. Astronomen haben errechnet, dass es 70 Trilliarden Sterne gibt. Das sind 7 mal 10 hoch 22 Sterne. Eine Sieben mit 22 Nullen!! Eine sehr beeindruckende Zahl, nicht wahr?
In 1. Mose 15,5-6 können wir lesen, wie Gott Abraham auffordert: „Sieh doch zum Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst! Und er sprach zu ihm: So soll dein Same sein! Und Abraham glaubte dem Herrn, und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an.“ Ich bezweifele, dass es Gott oder dem Schreiber der Geschichte dabei um die konkrete Zahl von 70 Trilliarden ging. Mich fasziniert die Geschichte auch aus ganz anderen Gründen: Gott fordert Abraham ja nicht einfach so auf, aus dem Zelt zu kommen und einen Blick in den Himmel zu werfen. Da gibt es ja eine Vorgesichte. Dass Abraham Kinder haben soll, hatte Gott ihm schon viel früher versprochen. Gleich zu Beginn, als er ihn aufgefordert hat, seine Heimat zu verlassen, hatte Gott gesagt: „Und ich will dich zu einem großen Volk machen…“ (1.Mose 12,2). Abraham hatte daraufhin tatsächlich seine Heimat verlassen, nur passiert ist dann erst einmal nichts. Deshalb hatte Abraham versucht selbst ein bisschen nachzuhelfen und hat mit seiner Magd einen Sohn gezeugt. Gott straft ihn und seine „verzweifelten Selbstversuche ein bisschen nachzuhelfen“ hier aber nicht, er reagiert mit Verständnis und auf Augenhöhe, indem er sein Versprechen wiederholt. Für mich schwingt bei Gottes - „Guck dir mal die Sterne an“ - immer auch ein bisschen was mit von „Die habe ich gemacht… und wenn ich die alle (du kannst sie nicht mal zählen) gemacht habe, dann ist der Rest für mich ein Klacks!“
Ist es nicht unheimlich ermutigend, Gott persönlich zu kennen und somit mit jemandem per du zu sein, der nicht nur so unendlich viel Macht hat, dass er mal eben 70 Trilliarden Sterne schafft, sondern sich „trotzdem“ Zeit nimmt für unsere Belange und Sorgen?! Mir macht das immer wieder Mut – jedes Mal, wenn ich meinen Blick auf den Sternenhimmel über mir richte.
 

 

Seifenblasen

Vor rund 6500 Jahren erfanden die Sumerer die Seife - und vielleicht entstanden da auch die ersten Seifenblasen und schwebten schillernd durch die Luft, bevor sie platzten und sich lautlos in Nichts auflösten.
Wer weiß das schon so genau? Seifenblasen sind sehr beliebt. Ich kenne keinen, der sie nicht wenigstens ein bisschen toll findet. Die Leichtigkeit. Die schillernden Farben... Aber so wie Seife Schmutz und Flecken den Gar aus macht, stehen Seifenblasen nicht nur für schöne Träumereien, sondern auch für Vergänglichkeit.
Die alten Sumerer kochten ihre Seife aus Pflanzenasche und Ölen. Und sie wollten dabei übrigens kein Reinigungsmittel, sondern ein Heilmittel für Wunden herstellen. Erst später wurden Talge aus tierischen Fetten benutzt.
Mich erinnert das auch ein bisschen an den Glauben an Jesus: Während für die Seifen Pflanzen und Tiere ihr Leben lassen mussten, starb Jesus für uns, damit wir "Reinigung und Heilung" von Sünde und Krankheit erfahren dürfen. In der Bibel steht, dass Gott unsere Sünden im tiefsten Meer versenken will. Aber ich denke, vielleicht wäscht er sie auch einfach ab, und sie werden fortgetragen, und lösen sich unwiederbringlich auf, wie platzende Seifenblasen.
Am 5. Oktober ist Weltseifenblasentag. Kein Scherz. Stimmt echt. Obgleich ich es durchaus für wahrscheinlich halte, dass der Ursprung dieses kuriosen Gedenktages von einem Scherzkeks stammt und keine tiefere Bedeutung hat. Was uns nicht daran hindern sollte Seifenblasen zu kaufen, zu verschenken und gen Himmel schweben zu lassen, um sich und anderen eine Freude zu machen. Und dabei vielleicht auch unsere Sorgen und Nöte Gott entgegen zu pusten...
 

 

Wo wohnt Gott?

Na, im Himmel natürlich, ist doch klar, oder? Im Tempel! Und da der zerstört wurde und wir quasi Tempel des Heiligen Geistes sind oder wenigsten sein sollten, hoffentlich in uns. In unseren Herzen. Ist Gott nicht sowieso allgegenwärtig? Was soll da überhaupt die Frage nach dem „Wo wohnt Gott“? - Stimmt alles irgendwie. Aber, wusstet ihr, dass es in 5. Mose 33,16 heißt: „Die Gnade dessen, der im Dornbusch wohnt, komme auf das Haupt Josefs, auf den Scheitel des Geweihten unter seinen Brüdern.“

Gott wohnt im Dornenbusch? Allgegenwart hin oder her, da wäre ich nicht drauf gekommen! Mose sagt das, als er kurz vor seinem Tod die Stämme Israels segnet. Als Gott das erste Mal zu Mose sprach, tat er das aus einem brennenden Dornenbusch heraus. Die beiden haben quasi von Angesicht zu Angesicht mit einander geredet. Das hat bestimmt einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Aber sie haben auch gemeinsam das Volk Israel aus Ägypten und dann 40 Jahre lang durch die Wüste geführt. Dabei war Gott in der Feuer- bzw. Wolkensäule. 40 Jahre lang! Müsste Mose da nicht eher so etwas sagen, wie „der Allmächtige, der im Feuer wohnt“ oder „in der Wolke“? Nein, das kann es nicht sein: da steht eindeutig: Dornenbusch. Komisch, oder? Im Dornenbusch würde ich Gott zu allerletzt suchen. Und dann fiel mir eine andere „Dornen(-Busch)“-Stelle in der Bibel ein. Im Gleichnis vom Sämann (Markus 4, 3-8) erzählt Jesus davon, dass ein Sämann Samen aussät. Einige davon fallen unter die Dornen und werden von diesen am Wachsen gehindert und regelrecht erstickt. Etwas später erklärt Jesus seinen Jüngern, dass die Samen für das Wort Gottes und die Dornen für die Sorgen des Alltags stehen, die den Glauben zu ersticken drohen.  Als Mose mit dem Volk Israel durch die Wüste zog, gab es einiges an „Sorgen“, die Moses Glauben auf die Probe stellten und hätten ersticken können – aber Gott zog mit. Mit Mose und dem Volk und den ganzen Sorgen. Vielleicht hat Mose ganz bewusst gesagt, dass Gott tatsächlich im Dornenbusch wohnt und deswegen in all unseren Sorgen, mit denen wir uns so rumschlagen eben nicht weit weg, sondern ganz nahe ist. Und das nicht nur mal kurz, um zu gucken, wie es aussieht und dann schnell wieder das Weite zu suchen. Nein, er wohnt dort. Nicht, weil er Sorgen so toll findet, sondern weil er (auch in Wüstenzeiten) bei uns sein will und sich wünscht, dass wir uns in und mit unseren Sorgen immer wieder an ihn wenden.

 

Im Watt

Wie ihr sicher wisst, verbindet mich eine besondere Liebe zum Meer in Allgemeinen und zur Nordsee im Besonderen. Bei der Suche nach Muscheln kann ich schon mal die Zeit vergessen. Solange das bei einem Strandsparziergang passiert, macht es nicht allzu viel aus. Schlimmstenfalls stelle ich irgendwann fest, dass ich mehrere Kilometer vom Strandkorb entfernt bin und nun einen langen Fußmarsch zurück vor mir habe. Wenn ich die Zeit jedoch beim Wattwandern vergessen würde, ja, da sähe es dann schon was anders aus. Dabei gehe ich aus gesundem Respekt vor den Gezeiten ohne Kenntnis des Tidenkalenders oder ohne Führer grundsätzlich nicht leichtfertig blindlings Richtung offenes Meer. Und das nicht allein, weil meine Zeitvergessenheit mir hier wirklich zum Verhängnis werden könnte, wenn „plötzlich und übererwartet“ das Wasser zurückkommt und mir den Weg zum Strand abschneidet. Es liegt auch daran, dass ich den Weg zurück nicht mehr finden könnte.

Nun fragt ihr euch vielleicht, wie um Himmels willen man im flachen Watt den Deich nicht sehen können sollte. Ganz einfach: durch Nebel! Zu Schulzeiten hatten wir mal eine geführte Wattwanderung und der Wattführer hat uns nicht nur glaubhaft versichert, dass es durchaus zu plötzlich auftretendem Nebel kommen kann. Er hat uns auch bewiesen, dass man dann ohne Kompass ein echtes Problem hat. Er hat uns eine markante Wegmarke am Deich gezeigt, und uns gebeten darauf zuzugehen und zwar mit verbundenen Augen. Und da lag das Problem. Egal wie sehr wir uns konzentrierten, ohne die Möglichkeit uns visuell zu orientieren, liefen alle mehr oder weniger im Kreis, denn ein Bein war immer stärker als das andere. In dem Fall war das alles nur Spaß. Auf den Ernstfall kann ich jedoch auch gut verzichten.

Ein bisschen erinnert mich das an Jesus Hinweis „Wer seine Hand an den Pflug legt, und schaut zurück, ist nicht geschickt für das Reich Gottes“ (…). Nicht, weil Gott etwas dagegen hat, dass wir von Zeit zu Zeit in der Ver-gangenheit schwelgen. Das wäre ja abstrus. Das Volk Israel war ja sogar aufgefordert sich stets an lang zurück liegendes wie den Aus-zug aus Ägypten zu denken. Ich denke, Jesus wusste, dass wir uns durch zu viel nach „Muscheln suchen“ selbst verlieren und zu leicht vom Weg abkommen, wenn wir uns nicht immer wieder an IHM orientieren und unsere Richtung notfalls korrigieren (lassen). Die Folgen wären mindestens so schlimm, wie den Deich nicht vor der Flut zu erreichen.

 

Mein altes Auto

Ich habe in meinem Leben schon viele Autos gehabt. Gefühlt habe ich jedes zweite gefahren, bis es durch mehr oder weniger spektakuläre Unfälle Schrott war. Die anderen endeten als "wirtschaftlicher Totalschaden", weil die Reparaturkosten den aktuellen Wert überstiegen: bestes Beispiel ist mein VW Käfer Baujahr 1971. Den habe ich echt geliebt, auch wenn er im Grunde von Anfang an ein Kapitalschaden war. Aber vielleicht ist gerade, dass der Grund, weshalb ich bis heute so gerne an ihn denke. Über die Erlebnisse mit diesem Auto könnte ich Stunden lang erzählen. Leider fehlten mir Geld und Knowhow, um das Schätzchen am Laufen zu halten.
Irgendwann nahm meine Bereitschaft für abenteuerliche Gefährte jedoch rapide ab und die Notwendigkeit von zuverlässigen Fahrzeugen zu. Die letzten beiden habe ich daher abgestoßen, sobald es die ersten Motorschäden gab und im Grunde habe ich auch nie mehr groß an sie gedacht. Die waren halt hinüber. Fertig. Bis vor kurzem: Denn da begegnete mir eines meiner alten Autos plötzlich wieder. Ich habe es von mir aus gar nicht mal erkannt, obwohl ich genau daneben geparkt habe! Wie sich herausstellte, gehört es jetzt (nach zwei Zwischenbesitzern) dem Schwiegersohn einer Bekannten. Ist das nicht verrückt? Es fährt tatsächlich immer noch, trotz einstigem Motorschaden!!

Beim mich drüber Wundern und einfach nur staunen, kam mir der Gedanke, dass es mit uns oft ähnlich ist. Da gibt es zwar keine "wirt-schaftliche" dafür aber lauter "geistliche Totalschäden". Eigentlich alles Fälle für den Schrott oder wenigstens zum "Abstoßen" und neu kaufen. Ja, wenn es nur auf unser Tun und Sein ankäme, dann sähe es düster aus, denn "es ist keiner gerecht, auch nicht einer; es ist keiner, der verständig ist, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen, sie taugen alle zusammen nichts; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer!" (Römer 3:10‭-‬12). Geistlich gesehen waren wir alle tot, durch unsere Übertretungen. Was für ein Glück, dass wir für Gott nicht nur irgendwer, sondern alles "Liebhaberstücke", sind, für die er unter hohem Aufwand alles (nämlich Jesus Christus) gab, und uns so wieder lebendig gemacht und aus Gnade errettet hat. (vgl. Epheser 2:5) - Im Grunde ist das sogar noch erstaunlicher als mein altes Auto, wieder fahren zu wissen.

 

Die Einladung

Kennt ihr das: Einladungen, bei denen man das Gefühl bekommt, sie seien gar nicht so ganz ernst gemeint? Oder schlimmer noch eigentlich sogar eine "Ausladung", ein "besser du bleibst weg!"??
Als ich so ungefähr 15 oder vielleicht 16 war, wurden bei uns Leute gesucht, die für eines dieser kostenlosen Käseblätter schreiben, die neben Werbung, gefühlt meist nur Berichte über "Kaninchenausstellungen" oder vergleichbare Vereinsevents beinhalten. Möglichkeiten für Schülerjobs gab es insgesamt nicht viele. Aber Schreiben? Meine Deutschzensuren ließen etwas anderes vermuten, doch das könnte mir Spaß machen! Da ich den Chefredakteur kannte, nahm ich allen Mut zusammen, um nach so einer "Stelle" zu fragen. Und was glaubt ihr, was ich zur Antwort bekam? Ein ganz direktes: "Mignon, dafür muss man schreiben können!" Das war’s! Der gute Mann musste mein letztes Zeugnis kennen und damit davon ausgehen, dass ich gerade das eben nicht kann - Schreiben. Eigentlich nur logisch, dass ich eine Absage kriege. Mit hängendem Kopf und etwas beschämt zog ich ab. Leider. Ich habe mich später manchmal gefragt, was wohl passiert wäre, wenn ich wenigstens um eine Chance gebeten hätte, es zu versuchen. Schließlich kann man ja auch dazu lernen. Denn an und für sich hat er ja nur gesagt, dass Schreiben zum Job gehört.

Jesus hat die Leute, die ihm damals nach liefen auch mal derart vor den Kopf gestoßen, dass seine Einladung zur Nachfolge eher aus- als einladend wirkte. Sein Hinweis "Wer nicht [seine Familie und sich selbst] hasst und täglich sein Kreuz auf sich nimmt, ist nicht geschickt für das Reich Gottes" (Lukas 9, 26-27) war aber keine Ausladung. Nachfolge Jesu ist eben nicht immer nur eitel Sonnenschein, sondern manchmal auch echte Herausforderung. Das hat Jesus von Anfang an klar gestellt. Nicht mehr und nicht weniger. Die gute Nachricht an dieser Stelle ist, dass Gott uns in unserer Nachfolge weder überfordert, noch allein lässt. Der Preis bleibt hoch, aber der Einsatz lohnt!

 

Tabu-Zone

Als ich Kind war, war das Schlafzimmer meiner Eltern absolute Tabuzone. Da hinein durften wir Kinder nur, wenn wir den Auftrag hatten, etwas Bestimmtes zu holen. Aus heutiger Sicht mehr als verständlich, denn sobald man Kinder hat, nehmen die Rückzugsorte drastisch ab. Damals war es jedoch extrem verlockend trotzdem Mal zu gucken, was im Fall eines erwischt Werdens jedoch wirklich nicht empfehlenswert war! Solche Tabuzonen gibt es viele: Das Lehrerzimmer der Schule habe ich nur beim Abi-Streich von innen gesehen. Das geschlossene Magazin der Universitätsbibliothek nie. Für die Bücher aus diesem Bereich musste man Bedarf anmelden, und mit etwas Glück und Wartezeit durfte man sie dann lesen. Das war mir zu umständlich und ging auch ohne. Im Alten Testament werden auch solche Tabuzonen beschrieben. Als Gott mit Mose auf dem Berg Sinai sprach, durfte sich das Volk samt Viehherden nicht mal am Fuß des Berges aufhalten. Und in den Gesetzen wird bis ins Detail beschrieben, wer wann und wie überhaupt nur ins Allerheiligste durfte, um zu opfern. Ich habe diese Vorschriften kürzlich gelesen, mich regelrecht durchgequält durch die Kapitel und mich dabei nicht nur einmal gefragt, was mir das alles heute noch sagen soll. Zumal ich ja gar nicht vorhabe, irgendwelche (nicht vorhandenen) Schafe und Ziegen zu opfern…

In der Bibel geht es nicht darum, dass Gott mal seine Ruhe wollte (wie meine Eltern oder wie ich). Gottes "sonst müsst ihr sterben" ist keine Strafe, so wie man Kinder "bestraft", die trotz anders lautender Ansage, gucken, was im Kleide-schrank der Eltern Tolles versteckt ist. Und es ist auch keine Regel zum Schutz von Gottes Eigentum. Denn anders als die Bücher im geschlossenen Magazin, muss Gott nicht vor Schmierfingern geschützt werden.  - Nein, das „sonst müsst ihr sterben" ist keine Strafe, es ist die logische Folge. Weil Gott heilig ist – und wir nicht. Bald ist Ostern. Beim Nachdenken über all diese alttestamentlichen Gesetze, kam mir die Geschichte über Jesus Tod am Kreuz in den Sinn. Gott selbst, d.h. Jesus, hat sich am Kreuz geopfert. Und als er starb, riss der Vorhang zum Allerheiligsten entzwei. Gott ist durch den Tod Jesu, quasi aus dem Allerheiligsten heraus zu uns gekommen, damit Gemeinschaft mit ihm kein Tabu mehr ist, sondern tatsächlich möglich. Und sie ist mit Sicherheit lohnenswerter als jede andere Tabuzone, die ich bisher kennengelernt habe.

 

Meisenknödel

Wir haben einen relativ großen Garten. Im Sommer kann man da manchmal Vögel beobachten. Im Winterhalbjahr muss man jedoch lange suchen, um welche zu entdecken. Ich hab in der Vergangenheit mehrfach versucht, sie mit Futter anzulocken. Ohne erkennbaren Erfolg. Meine Schwiegereltern wohnen nur ein paar hundert Meter entfernt, aber an ihrem Vogelhäuschen scheint immer Hochbetrieb zu sein. Ich hab da schon Vögel gesehen, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass es sie gibt. Da fragt man sich doch: "Wie kann das sein?". Die einzig schlüssige Erklärung schien mir in der Anzahl der Katzen zu liegen. Wir selbst haben eine, und auch in den meisten Nachbarhäusern lebt mindestens eine. Katzen fressen Vögel, also gibt es bei uns kaum noch welche. Ist doch logisch, oder? Hab ich gedacht. Stimmt aber nicht! Diesen Winter sitze ich in der Küche, gucke aus dem Fenster und werde eines Besseren belehrt: Da sind zahlreiche Amseln und Meisen in den Bäumen und Sträuchern zu sehen. Ich habe meinen Mann gefragt, wie er sich den plötzlichen Anstieg der Vogelpopulation erklären würde. Und soll ich euch verraten, was er gesagt hat? Er wies mich darauf hin, dass sich an der Zahl der Vögel gar nichts geändert habe. Wir haben was geändert: nach der Renovierung unserer Küche, steht der Küchentisch und damit natürlich auch mein Stuhl anders. Ich kann von meinem Platz aus jetzt etwas sehen, was bisher außerhalb meines Blickfeldes lag.

Und wenn ich drüber nachdenke, ist es mit Gott ähnlich. Manchmal bin ich geneigt zu glauben, dass Gott sich anderen viel mehr zeigt als mir. In Gebetserhörungen oder was auch immer. Und dann guck ich mich um und sehe lauter "Katzen", und ich denk mir: "Ist ja klar, bei dem Umfeld, der Lebensgeschichte und den Macken kann das ja auch gar nicht anders sein!". Klingt logisch, stimmt aber nicht. Wie bei den Vögeln im Garten liegt es an meinem Blickwinkel. Erst wenn ich aus dem Küchenfenster rausgucke, sehe ich die Amseln im Apfelbaum und die Meisen in der Hecke und plötzlich vielleicht sogar noch ganz andere Arten, von denen ich vorher nicht mal wusste, dass es sie (bei uns) gibt. Genauso ist es bei Gott, wenn ich nach ihm Ausschau halte, lässt er sich entdecken und finden. Im Kleinen wie im Großen und manchmal ganz anders als gedacht. (Jeremia 29,13.14)
Weshalb unsere Vögel keine Meisenknödel mögen, weiß ich freilich immer noch nicht. Aber vielleicht schmecken ihnen die nicht geernteten Äpfel einfach besser. 

 

Mein neuer Laptop

Dieser Beitrag ist der erste, den ich auf meinem höchstpersönlich eigenen Rechner schreibe. Ist das nicht toll??
Ich kann mich noch gut an meinen ersten Computer erinnern. Den habe ich vor rund 20 Jahren gekauft. Einfach weil ich einen fürs Studium brauchte. Mithilfe des guten Stücks habe ich im Laufe der Zeit diverse Hausarbeiten zu Papier gebracht, zahllose Stunden im Internet gesurft, Spiele gespielt, meine Diplomarbeit verfasst und als einen der wesentlichen Höhepunkte meinen Mann kennen gelernt.
Als ich nach Sachsen zog, verschwand mein Rechner im Keller und ich nutzte immer nur Rechner, die nicht meine eigenen waren. Aber meiner existiert trotzdem noch. Irgendwo im Keller steht er rum. Würde man ihn wieder hervorholen und ans Stromnetz anschließen, hätte man eine bessere Schreibmaschine. Beim Versuch ins Internet zu gehen, würde er jedoch beim Download sämtlicher Updates der letzten 16 Jahre heiß laufen bis die Drähte glühen und sich mit einer kleinen Rauchwolke und einem lauten Knall verabschieden.

Meine beiden Rechner erinnern mich in gewisser Weise an den Rat Jesu neuen Wein nicht in alte Schläuche zu füllen, weil diese sonst reißen und der Wein verloren geht. (Matthäus 9,17) Jesus wollte mit diesem Vergleich darauf hinweisen, dass wir Gesetz (alter Bund) und Gnade (neuer Bund) nicht durcheinander bringen sollen: wir können nur gerettet werden, wenn wir annehmen, dass er für uns gestorben ist. Durch gute Werke können wir „nichts reißen“. Denn dazu müssten wir alle Gesetze halten. Immer. Das schafft aber niemand. Deshalb ist Jesus ja gestorben. - Gnade ist ein Geschenk was wir annehmen können oder eben nicht. Mit allen Konsequenzen.
Mein alter Rechner hat mir im Studium gute Dienste erwiesen. Heute damit einen Brief schreiben und per Email verschicken? Den Ärger erspare ich mir lieber. Gut also, dass ich einen neuen hab. - Der übrigens auch ein supertolles Geschenk war.